Das M5 und seine Evolution
(M)eine Geschichte, wie sich ein Fahrrad an seinen Fahrer anpasst.
Seit ein paar Jahren beobachte ich die Liegeradszene. Natürlich sind optisch die Trikes oder auch “Tadpoles” mit zwei Rädern vorne und einem angetriebenen Rad hinten am auffälligsten. Selten aber durchaus auch interessant die “Deltas”, welche ehr an ein Kinderdreirad erinnern, mit einem Rad vorne und dem Antrieb auf der Hinterachse.
So interessant ein Trike für mich auch ist, so wenig Stellplatz habe ich dafür aktuell.
Daher lag mein Augenmerk letztendlich auf den Einspurliegern.
Diese kommen in drei groben Klassen daher.
Der Tieflieger, wo der Fahrer zwischen den Rädern knapp über dem Asphalt sitzt,
der Langlieger, welcher das Rad deutlich vor der Tretkurbel hat und zuletzt
der Kurzlieger, welche meistens ein größeres Hinterrad und ein relativ kleines Vorderrad haben, und der Fahrer mit dem Beinen über das Vorderrad hinausragt.
Für mich war der Kurzlieger von Interesse, aber die Preise, welche für die “Markenräder” aufgerufen werden, haben schon etwas Unverschämtes.
So tingelte ich lange in den einschlägigen Portalen umher, bis ich im November 2021 ein Angebot fand, welches mir gerechtfertigt vorkam.

Ein roter Kurzlieger der Marke “M5” aus den Niederlanden Baujahr 1996. Die Abholung des Rades gestaltete sich unspektakulär und der am Ende vereinbarte Preis von €180,- war für das Material nicht zu viel -daß eine Umbauodysee folgte, war da noch nicht abzusehen.
Da ich überhaupt keine Erfahrung mit einem Lieger hatte, war eine Probefahrt vor Ort ausgeschlossen. Der technischen Überprüfung hielt das Rad aber stand.
Schon beim ersten Probesitzen bei der Abholung wurde mir sehr schnell bewusst, daß es mit “draufsetzen und losfahren” wohl nicht so einfach klappen wird.
So schob ich am nächsten Tag das Rad vor mir her und begab mich zum knapp 300m entfernten Parkplatz, auf dem auch Fahrschulen ihre Motorradfahrer um die Pylonen fahren lassen.
In der Reichweite eines Laternenmastes setzte ich mich vorsichtig und balanzierte den rechten Fuß an das Pedal. Noch konnte ich aufrecht sitzen und hielt mich am Mast fest. Nun legte ich mich langsam zurück und bewegte auch das linke Bein in Pedalposition. Mir wurde beim Kauf bereits eingebleut, daß ich beim Anfahren nicht zögern darf. So zog ich mit der rechten Hand die Bremse, baute Druck auf dem linken Fuß auf, holte tief Luft und ließ die Bremse los, und…..
jaaa… ich fahre… aber wohin….
Ich kämpfte wie ein Kleinkind mit dem Lenker, der mir so eng an den Oberschenkeln lag, daß jede Lenkbewegung nur den Hauch einer Spuränderung versprach. Nach etwa 3 Metern war die Fahrt vorbei und ich machte die positive Erfahrung eines Plumbs auf die Seite.
Positiv, weil schnell klar wurde, mit dem Lieger umzufallen, ist in etwa so, als wenn man aus dem Bett fällt. Ja, es ist nicht schön, aber kein Körperteil wird unter dem Rad begraben und man fällt sehr kontrollierbar auf den Popo.
Ich stand also auf, klopfte mir die Hose ab und begab mich wieder in Startposition.
Jetzt schaffte ich es, das Rad stabil zu halten und begann eine große Runde um den Parkplatz zu fahren. Einmal in Fahrt war es sehr einfach, die Spur zu halten und solange keine Störung auf dem Weg war, konnte ich genügsam die Kurven planen und großzügig umsetzen.
Der nächste Schritt war nun, kontrolliert anzuhalten. Recht instinktiv zog ich aus mäßiger Geschwindigkeit die beiden Bremsen und ließ meinen Oberkörper dabei nach Oben drücken, während ich beide Füße von den Pedalen nahm und auf den Boden aufsetzte. Geschafft!
Von dieser Position nun ohne einen Laternenmast oder etwas Anderes zu haben, wieder anzufahren, brachte ein weiteres Problem zu Tage. Als ich mich nach Hinten legte, konnte ich das Standbein nicht auf dem Boden halten. Die Anstellung zwischen Sitzhöhe und Liegeposition war einfach zu groß. So machte es ein zweites Mal “Plumps” und ich lag wieder auf der Seite ohne einen Meter gefahren zu sein.
Ersatzweise versuchte ich nun, in halb aufrecht sitzender Position anzufahren. Das ging zwar mehr schlecht als recht, aber nach zwei weiteren Bodenberührungen klappte es dann so einigermaßen.
Die nächsten Tage verbrachte ich damit, nach der Arbeit mit dem Rad auf den Parkplatz zu gehen und das Radfahren neu zu lernen. Dabei teilte ich mir sogar die Pylonen der Fahrschulen mit den Motorradschülern. Auch Slalom muss mit so einem Teil gelernt sein.
Zu diesem Zeitpunkt standen 4 Dinge schnell fest:
- Der Sitz muss irgendwie tiefer
- Der Lenker muss breiter werden
- Die Schaltung umbauen
- Das Hinterrad braucht einen anderen Pneu
Und so begann ein neues Projekt…….




